Seele
Die Seele ist aus philosophischer und religiöser Sicht der immaterielle Sitz von Empfindungen und Charaktermerkmalen.
Die wissenschaftlich-medizinische Sicht wird unter Psyche behandelt und bezieht sich auf die Affekt-, Gefühls- und Wahrnehmungswelt von Lebewesen.
Etymologie
Das deutsche Wort Seele stammt vom althochdeutschen se(u)la ab, was ebenfalls in der Bedeutung Seele verwendet wurde und wahrscheinlich auf zum See gehörend zurückgeführt werden kann (unklare Herkunft). Nach germanischer Vorstellung waren die Seelen der Ungeborenen und Verstorbenen nämlich Teil eines Mediums ähnlich dem Wasser. Der griechische Begriff Psyche (ψυχή) bedeutet Hauch, Atem.
Religionen
Christentum
Seele in der Bibel
Die Seele ist der Sitz der Identität und des Charakters. „Meine Seele“ steht für „mein Leben“ und hat die Bedeutung „Ich“. Der irdische Mensch ist eine Einheit aus Seele, Körper und Geist.
Biblische Wortbedeutung: Im Alten Testament wird für Seele das hebräische נפש (näfäsch) verwendet, das mit "atmen" (nafasch) zusammenhängt. Im Neuen Testament steht für Seele das griechische ψυχή (psyché). Beide Begriffe werden in einer großen Bandbreite übersetzt. Am häufigsten wird es in den Psalmen genannt.
Biblische Aussagen über die Seele:
* Gott blies dem Menschen Lebensodem in den Körper. Dadurch wurde er zu einer lebendigen Seele.
* Die Seele kann geplagt sein. (Hi 19,2 EU)
* Der HERR erquickt die Seele:
Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele. (Ps 23,1-3 EU)
* Gott sättigt die hungrige und durstige Seele. (Ps 107,4-9 EU)
* Jesus sagte, sich nicht vor denjenigen zu fürchten die den Leib töten aber die Seele nicht töten können; sondern sich vor dem zu fürchten der Leib und Seele in der Hölle verderben kann. (Mt 10,28 EU)
* Die Seele dürstet nach Gott:
Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir. Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. (Mt 42,2 EU)
* Die Seele muss vor Gott erscheinen. (Lk 12,16 EU)
* Der Seele soll es gut gehen:
Mein Lieber, ich wünsche, daß es dir in allen Dingen gutgehe und du gesund seist, so wie es deiner Seele gutgeht. (3 Joh 1,2 EU)
* Johannes sah, dass Seelen lebendig wurden und mit Christus tausend Jahre regierten. (Offb 20,4 EU)
Die Seele nach dem Tod: Nachdem ein Mensch gestorben ist, ist die Seele nicht tot. Der Körper geht zurück zur Erde, der Geist zu Gott. Die Bibel lehrt einen ersten (natürlichen) und einem zweiten Tod und bezüglich des Lebens eine erste und zweite Auferstehung. Diejenigen, die Jesu Worte angenommen haben und Gott glauben sind vom Tod zum Leben hindurchgedrungen (Johannes 5,24). Jesus schilderte das endgültige Schicksal von zwei Personen (Lukas 16). Nachdem beide gestorben waren, befand sich der eine in der Hölle und der andere in Abrahams Schoß. Die Bibel schildert ein Weltgericht, in welchem die Toten nach ihren Werken gerichtet werden (Daniel 7,10 und Offenbarung 20,11). In Offenbarung 21 wird das Leben von Menschen auf einer neuen Erde und einem neuen Jerusalem beschrieben.
Hinduismus und Buddhismus
In der deutschsprachigen Literatur wird üblicherweise der hinduistische Begriff Atman als Seele übersetzt. Er steht für das ewige, unzerstörbare Selbst eines Menschen, das beim Tod den Körper verläßt und bei der Wiedergeburt den neuen Körper betritt. Der Buddhismus kennt keine unsterbliche Seele, sondern definiert im Anatman geradezu das Gegenstück in Form der Nichtseele.
Philosophie
Die philosophischen Sichtweisen lassen sich als Varianten des Leib-Seele-Problems auffassen.
Einige klassische Philosophen (insbesondere Platon, Descartes sowie Thomas von Aquin) lehren die Unsterblichkeit der Seele. Dieses folge aus der Tatsache, dass die Seele eine immaterielle, nicht zusammengesetzte Substanz ist. Da sie nicht aus Teilen bestehe, könne sie auch nicht in solche zerfallen und vergehen.
Eine Antithese der modernen Philosophie besagt, dass das Wesen der Seele einem Computerprogramm gleiche. Schaltet man den Computer aus (entsprechend dem körperlichen Tod), so bleibe auch das Programm nicht erhalten (die Existenz der Seele erlischt). Diese Vorstellung ist mit einer modernen naturwissenschaftlichen Sichtweise vereinbar und ermöglicht so einen Gewinn an Anschaulichkeit - die Anschauung muss jedoch als unvereinbar mit einer modernen Sichtweise der Psychosomatischen Medizin bezeichnet werden, in der gerade das Maschinenparadigma den Unterschied zu einer apparatenhaften psychischen Sichtweise herausstellt.
Wichtige Beiträge zur Philosophie der Seele stammen von Platon, Aristoteles, Epikur, Plotin, Immanuel Kant (Kritik der reinen Vernunft), Arthur Schopenhauer und John Carew Eccles, deren Sichtweisen jeweils in den entsprechenden Artikeln ausführlich beschrieben
werden.