Wahrsagung
Als Wahrsagung, Wahrsagen oder Mantik (von altgr. μαντεία, manteia) werden in den Bereichen der Kulturgeschichte und der Esoterik zahlreiche Praktiken und Methoden zusammengefasst, die dazu dienen sollen, zukünftige Ereignisse vorherzusagen oder auch anderweitig verborgenes Wissen zu erlangen. Verbreitete Beispiele sind das Handlesen, das Kartenlegen und die Astrologie. Davon zu unterscheiden ist die religiöse Prophetie, bei der nicht äußere Zeichen gedeutet werden, sondern eine unmittelbare göttliche Inspiration in Anspruch genommen wird. Weitere verwandte, weitgehend synonyme Bezeichnungen sind Weissagung und Divination (von lat. divinatio). Der entsprechende Begriff für wissenschaftliche Vorhersagen ist die Prognose. Kritiker der esoterischen Wahrsagung verwenden für diese zumeist die abwertende Bezeichnung „Wahrsagerei“.
Bedeutung
Nach Georges Minois, der 1996 die erste große Monographie der Geschichte der Wahrsagung und anderer Formen der Vorhersage vorlegte, ist der wichtigste Aspekt jeglicher Vorhersage nicht ihre Genauigkeit, sondern eine gewissermaßen therapeutische Funktion in Bezug auf die Gesellschaft oder das Individuum: „Was zählt, ist nicht, dass das Vorhergesehene eintritt, sondern dass diese Vorhersage hilft, erleichtert, beruhigt und zum Handeln anregt. Der Astrologe, die Kartenlegerin, der Hellseher sind Psychologen, ja sogar Psychoanalytiker, die die Beichtväter abgelöst haben. Ihre Kunden wollen von ihnen nicht wirklich die Zukunft erfahren; wäre dies der Fall, so würden sie sie schon lange nicht mehr zu Rate ziehen. Sie suchen vielmehr einen tröstlichen menschlichen Kontakt. (...) Diese Spezialisten sind in Wahrheit Ärzte des Geistes und ihre Kunden Kranke. In gewisser Weise heißt so tun, als sage man die Zukunft voraus, soviel wie heilen.“
Minois schreibt weiter: „Tatsächlich ist die Vorhersage niemals neutral oder passiv. Immer entspricht sie einer Absicht, einem Wunsch oder einer Befürchtung; sie bringt einen Kontext sowie eine Geisteshaltung zum Ausdruck. Die Vorhersage klärt uns nicht über die Zukunft auf, sondern spiegelt die Gegenwart wider. Insofern gibt sie Aufschluss über die Mentalitäten, die Kultur einer Gesellschaft und einer Zivilisation.“
Geschichte Prähistorik
Wahrsagung gab es zu allen Zeiten in allen menschlichen Gesellschaften. Schon in den ältesten schriftlichen Dokumenten, die man im Nahen Osten fand, ist ihre grundlegende soziale Rolle offenkundig. Im 3. vorchristlichen Jahrtausend wird bereits eine Fülle einschlägiger Praktiken genannt, darunter die Lekanomantie (Weissagung mittels Öls), Teratomantie (Vorhersagen anhand von Missbildungen) und die Oniromantie (Deutung von Warnträumen). Die ausgefeilteste Technik war damals das Haruspizium, die Vorhersage anhand der Betrachtung der Eingeweide speziell dafür geschlachteter Opfertiere. Die dabei streng befolgten Verfahren waren derart verfeinert, dass man daraus auf eine noch sehr viel weiter zurückreichende Vorgeschichte schließen kann, und sie erforderten eine sehr präzise morphologische und anatomische Beobachtung.
Von Anfang an wurde dabei nur göttlichen Wesen eine Kenntnis der Zukunft zugeschrieben. Die Götter senden aber Zeichen, deren Deutung es dem Menschen erlaubt, die Zukunft immerhin zu erahnen. Dem liegt ein Glaube an die Existenz von Entsprechungen zugrunde: Entsprechungen zwischen dem Makrokosmos und dem Mikrokosmos (Astrologie) und Entsprechungen zwischen der göttlichen und der menschlichen Welt. Die Spezialisten der mantischen Disziplinen machten Aufzeichnungen über beobachtete Korrelationen, werteten diese aus und sammelten so ein immer komplexeres Wissen an. Darin kommt ein deterministisches Weltbild und eine fatalistische Haltung zum Ausdruck. Es konnte jedoch durchaus ein Glaube an die Wirksamkeit von Magie damit verbunden sein; der Zeichendeuter konnte dank seiner Kenntnisse zugleich ein Zauberer sein, zumal die Wahrsagungen zumeist nur Tendenzen angaben und einen Spielraum für die menschliche Freiheit ließen.
Auch in Palästina war die Wahrsagung im 2. vorchristlichen Jahrtausend sehr verbreitet, wie nach der modernen Exegese zahlreiche Stellen im Alten Testament belegen. Und das gilt für die Hebräer ebenso wie für die anderen dortigen Völker. Erst ab der Wende zum letzten vorchristlichen Jahrtausend versuchten die religiösen Autoren, die Wahrsager auszurotten oder zu vertreiben, was aber trotz erheblicher Anstrengungen nur mäßigen Erfolg hatte.
Von großer Bedeutung war die Wahrsagung auch bei den Germanen und bei den Kelten, die ebenfalls vielfältige Verfahren anwendeten, darunter die Weissagung aus Tierstimmen oder aus dem Flug der Vögel. Bei den Kelten hatten die Spezialisten der Wahrsagung, die Druiden, erheblichen Einfluss auf die Politik, in die sie sich mitunter sogar aktiv einmischten.
Bei den meisten archaischen Völkern findet sich außerdem eine „Proto-Astrologie“, die im Unterschied zur eigentlichen Astrologie kaum mathematische Kenntnisse erfordert. Gut bekannt ist ihre Ausprägung im alten Babylonien gut tausend Jahre vor Beginn unserer Zeitrechnung. Hier wurde das Himmelsgewölbe in konkreter Entsprechung zur irdischen Welt gedacht. Einzelne Sternbilder wurden bestimmten Städten zugeordnet, die beweglichen Planeten bestimmten Personen oder auch Staaten. Man beobachtete die Bewegungen der Himmelslichter und die Veränderungen ihrer Leuchtkraft und deutete diese als Vorboten wichtiger Ereignisse, die zumeist die Politik und das sonstige Schicksal der gesamten Gesellschaft betrafen. Damit verbunden war ein hochgradiger Determinismus, der in Formulierungen zum Ausdruck kommt wie: „Wenn der Mond den Planeten Jupiter verdunkelt, dann wird in diesem Jahr ein König sterben“.
Eine weitere Form der Weissagung, die schon in archaischer Zeit bei allen Völkern bekannt war, ist die Prophetie. Propheten verkünden die Worte von Göttern und werden daher nicht zu den Wahrsagern gerechnet, welche äußere Zeichen deuten.
Griechische Antike
Im antiken Griechenland wurde die Wahrsagung ursprünglich als eine Gabe betrachtet, die auserwählten Personen durch die Götter verliehen wird. Dadurch sollten diese Heroen in der Lage sein, die Zeichen der Götter zu verstehen, wobei diese jedoch so menschlich vorgestellt wurden, dass sie ihre Botschaften oft absichtlich kompliziert und verwirrend gestalteten. Später wurde die Wahrsagung zu einer erlernbaren Wissenschaft entwickelt, in der (soweit überliefert) an die 230 verschiedene Methoden gebräuchlich waren. „Die Griechen lassen kein Mittel außer acht, um sich über die Zukunft zu informieren“ (Minois). Einen bevorzugten Platz nahm dabei die Traumdeutung (Oniromantie) ein, weil Träume als unmittelbare göttliche Mitteilungen angesehen wurden, die allerdings vielfach allegorisch seien und daher einer Auslegung bedurften. Der Glaube an diese Bedeutung der Träume war allgemein verbreitet; selbst unter den größten Skeptikern zweifelten nur wenige daran. Minois bezeichnet die damaligen Experten der Oniromantie als „ausgezeichnete Psychologen (...), die Klugheit mit Kenntnis der menschlichen Seele verbinden“.
Eine weitere Spezialität der alten Griechen war die intuitive oder inspirierte Divination mit der Sonderform des Orakels. Auch hierbei handelt es sich um Mitteilungen der Götter, die jedoch – oft in Ekstase – von Propheten ausgesprochen wurden. Im Fall der Orakel ist die göttliche Botschaft zunächst dunkel und rätselhaft, weshalb es neben den zahlreichen Orakelstätten selbst noch wesentlich zahlreichere Exegeten gab, deren Aufgabe darin bestand, die Bedeutung der übermittelten Botschaften zu entziffern. Die bedeutendste Orakelstätte in Delphi, die von Priestern des Gottes Apollon verwaltet wurde, bestand über tausend Jahre lang, und das trotz der immer wieder erhobenen Kritik an der kolossalen Bereicherung der profitierenden Priesterschaft und an der Unzuverlässigkeit, ja sogar Käuflichkeit der Vorhersagen. Wegen der Dunkelheit der Formulierungen konnte das Nichteintreffen einer Prophezeiung immer damit erklärt werden, dass der Orakelspruch schlecht gedeutet worden war, und auch dass Apollon aus irgendwelchen Gründen einmal absichtlich eine falsche Auskunft gegeben haben könnte, wurde in solchen Fällen in Erwägung gezogen. Der Einfluss der Orakel auf die Politik war enorm und offenbar vielfach stark von den eigenen Interessen bestimmt. Minois spricht sogar von einer „Futurokratie“, also einer Herrschaft der (angeblichen) Zukunft.
Als die Orakelstätten immer mehr an Glaubwürdigkeit einbüßten und das allgemeine Interesse sich von Weissagungen kollektiver Schicksale ab- und dem Individuum zuwandte, trat die Astrologie auf den Plan: die Kunst, das individuelle Schicksal aufgrund der Konstellation der Planeten am Tag der Geburt vorherzusagen. Die erste Astrologieschule der hellenistischen Welt gründete der Babylonier Berossos gegen Ende des vierten vorchristlichen Jahrhunderts auf der Insel Kos. Seine Vorhersagen machten ihn bald sehr berühmt, und seine Lehren fanden vor allem bei der geistigen Elite Anklang, während das gemeine Volk weitgehend an der herkömmlichen Wahrsagung festhielt. Die Astrologie kam dem zunehmenden Streben nach Rationalität und gedanklicher Strenge entgegen; sie wurde als Wissenschaft betrachtet. Das Meisterwerk der hellenistischen Astrologie, die Tetrabiblos des Ptolemaios (Mitte des 2. Jh. n. Chr.), baut auf dessen astronomischem Grundwerk Almagest auf, welches für den Autor nur eine notwendige Vorarbeit für das wesentliche Ziel war, mit Hilfe der Astrologie die Zukunft zu kennen. Die zugrundeliegende Weltsicht war bei Berossos streng deterministisch und mit der Überzeugung verbunden, dass alle Ereignisse sich nach 432.000 Jahren wiederholen. Ptolemaios dagegen, und mit ihm die meisten späteren Astrologen, vertrat den abgemilderten Determinismus der stoischen Philosophie, aus dessen Sicht die Astrologie sogar zu einem Instrument der Befreiung wurde: Weiß ich, was wahrscheinlich eintreten wird, dann kann ich versuchen, es zu vermeiden.
Der einflussreichste Befürworter der Wahrsagung war Platon, der sogar angeben konnte, welches Organ diese Fähigkeit ermögliche, nämlich die Leber (Timaios, 72). Die Seherkraft sei uns von den Göttern verliehen worden, um die Unzulänglichkeit des Verstandes zu mildern, und sie könne am ehesten dann zum Zuge kommen, wenn letzterer geschwächt ist oder schläft. Daher habe z.B. das Orakel zu Delphi „im Wahnsinn“ viel Hilfreiches von sich gegeben, „bei Verstande aber Kümmerliches oder gar nichts“ (Phaidros). Platons Ansichten, die wie bei Berossos eine ewige Wiederkehr in sehr langen Zeitabständen zugrundelegten, wurden bis in die ersten nachchristlichen Jahrhunderte hinein von heidnischen Philosophen fortentwickelt, so durch Plotin, Iamblichos und Porphyrios. Ähnlich war auch die Auffassung des Aristoteles und der Pythagoreer sowie einflussreicher Dichter wie Hesiod, Homer, Sophokles und Aischylos, wobei Aristoteles allerdings ebenso wie Platon die meisten Seher als Scharlatane bezeichnete und nur bei besonders begabten Personen eine echte Wahrsagung anerkannte. Platon forderte aus diesem Grund übrigens, dass der Staat das Sehertum monopolistisch kontrollieren solle. Grundsätzliche Befürworter der Wahrsagung waren außerdem die Stoiker. Dem standen jedoch zahlreiche Gegner gegenüber, von denen die Kyniker und die Skeptiker die entschiedensten waren. Da sie schon eine wirkliche Kenntnis der Gegenwart nicht für möglich hielten, war für sie die Behauptung, die Zukunft zu kennen, erst recht lächerlicher Wahnsinn, und für die „Armen im Geiste“, die sich auf diese Weise manipulieren ließen, hatten sie nur Sarkasmen übrig. Absolut negativ ist auch das Bild, das etwa der Historiker Thukydides von der Rolle der Wahrsagung in der Politik zeichnet.
Die griechische Kultur war die erste, in der überhaupt ernsthaft über den Begriff und die Problematik der Vorhersage nachgedacht wurde, und alle nur denkbaren Antworten auf damit zusammenhängende Fragen wurden bereits in jener Zeit formuliert. Als Ersatz für die zunehmend zweifelhaft werdenden Orakel und sonstigen Prophezeiungen trat spätestens im 5. vorchristlichen Jahrhundert eine neue Form der Vorhersage auf, die Utopie.
Römische Antike
Im Unterschied zu den Griechen kümmerten sich die Latiner nur um die Gegenwart und die unmittelbare Zukunft, und im Hinblick auf letztere ging es ihnen nicht um Erkenntnis, sondern um die rein praktische Frage, wie sie sich für ihre Vorhaben des guten Willens der Götter versichern konnten. Es gab unter ihnen nur wenige Propheten und Seher und sehr wenige Orakel. Man war nicht primär daran interessiert, die Meinung der Götter in Erfahrung zu bringen, sondern diese, wenn nötig, zu beeinflussen. Selbst wenn die Götter durch drastische Vorzeichen wie Sonnenfinsternisse oder Blitze aus heiterem Himmel offenbar ihren Zorn zum Ausdruck brachten, versuchten die Römer nicht, diese zu deuten, sondern konzentrierten sich darauf, die der Situation entsprechende Sühnezeremonie (procuratio) zu finden und durch diese den göttlichen Zorn zu annullieren – ein Vorgang von juristischer Strenge und Verbindlichkeit, auch für den beteiligten Gott. Von daher hatte die Wahrsagung im antiken Rom traditionell einen magischen Charakter und lief darauf hinaus, die Götter auszuschalten und den Menschen allein über seine Zukunft entscheiden zu lassen.
Nach dem Kontakt mit den griechischen Orakeln verbreitete sich jedoch auch unter den Römern ein Interesse an der wirklichen Weissagung. Eine besondere Bedeutung erlangten dabei die haruspices (Spezialisten der Eingeweideschau) unter den benachbarten Etruskern, die man schon in früheren Zeiten gelegentlich zu Rate gezogen, aber grundsätzlich mit Argwohn betrachtet hatte. Nun hielt sich bald jeder reiche und mächtige Römer seinen eigenen Haruspex, wobei jedoch die prinzipielle magische Ausrichtung erhalten blieb. Da in Etrurien selbst die einst hochentwickelte Wahrsagekunst nach der Eingliederung in das römische Reich verfiel, stand das Haruspizium schließlich ganz in den Diensten der römischen Aristokratie, während das Volk die zahlreichen neuen Divinationsmethoden aus den eroberten Gebieten für sich entdeckte. Der Senat war durch diese Entwicklung beunruhigt und begann gegen Ende des 3. Jahrhunderts v. Chr., die Wahrsagerei zu bekämpfen bzw. sie in seine eigenen Dienste zu stellen.
Der sich verbreitende Glaube an die Wahrsagung machte diese zu einem außergewöhnlichen Machtinstrument. So war es folgerichtig, dass Augustus, der Begründer des römischen Kaisertums, sie unter seine Kontrolle zu bringen versuchte und ihre Ausübung in privatem Interesse weitgehend verbot. Alle in Rom auffindbaren Orakelbücher wurden verbrannt oder für des Kaisers persönlichen Gebrauch verwahrt (12 n. Chr.). Wegen der großen Popularität der Seher erhielten jedoch einige von ihnen eine offizielle Zulassung, verbunden mit den Auflagen, nur noch öffentlich tätig zu werden und keine Todesfälle mehr vorherzusagen. Unter Tiberius wurde die unerlaubte Wahrsagung zu einem schweren Verstoß, der mit dem Tod geahndet werden konnte. Alle Astrologen wurden aus Italien verbannt oder hingerichtet. Einen weiteren bedeutenden Schritt machte Kaiser Claudius im Jahre 47 v. Chr., indem er die noch verbliebenen Haruspizes zu einem offiziellen staatlichen Kollegium zusammenfasste. Diese Bemühungen, jegliche Divination in den Dienst des Kaisers zu stellen und ihre private Ausübung zu unterbinden, blieben eine Konstante kaiserlicher Politik. Tatsächlich war der Aufschwung der Wahrsagung in jenen ersten nachchristlichen Jahrhunderten jedoch unaufhaltsam, trotz aller Verbote und drakonischen Strafen, zumal die Kaiser selbst den Weissagungen eine große Bedeutung beimaßen und lediglich sicherstellen wollten, dass nur sie selbst davon profitieren konnten.
Mit der Bekehrung der ersten Kaiser zum Christentum blieb schließlich die Prophetie, die direkte göttliche Inspiration, als einzige legitime Sicht der Zukunft übrig; alles andere wurde als Aberglaube und Betrug verdammt. Da aus dieser Sicht die rein irdische Zukunft keine Bedeutung mehr hatte und diese Welt ohnehin nicht mehr lange bestehen würde, verschob sich der Schwerpunkt der Ankündigungen von politischen und militärischen Ereignissen auf solche globalen, ja kosmischen Ausmaßes: den Antichrist, die Wiederkehr Christi und das Ende der Welt. Vor diesem Hintergrund nahm der Kampf gegen die „weltliche“ Wahrsagung (an deren Wirksamkeit auch die ersten christlichen Kaiser durchaus glaubten) eine neue Dimension an: sie gehörte nun zu den Resten heidnischen Aberglaubens, die es auszurotten galt.
Neuzeit
Im 15. und 16. Jahrhundert breitete sich in der intellektuellen Elite eine gewisse Skepsis gegenüber der inspirierten Weissagung aus, und man setzte vermehrt Hoffungen in eine sicherere, wissenschaftlichere Methode: die Astrologie. Sie wurde bald zu einem „unerlässlichen Ratgeber der begüterten Kreise“ (Minois), während im gemeinen Volk die Wahrsagerei einen Aufschwung erlebte. Wegen der damit verbundenen Gefahren für die Dogmen, die Moral und die Gesellschaftsordnung wurden nun zwar vermehrt Verbote erlassen; da jedoch auch Könige und Päpste Weissagungen für ihre Zwecke einsetzten, zeigten die Verbote kaum eine Wirkung. Diese Blütezeit der Astrologie dauerte bis Mitte des 17 Jh. an.